SpruchG  
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BGBl.III/FNA: 315-23

Gesetz
über das gesellschaftsrechtliche Spruchverfahren

(Spruchverfahrensgesetz)

(SpruchG)


vom 12.06.03 (BGBl_I_03,838)
zuletzt geändert durch Art.42 iVm Art.112 Abs.1 des FGG-Reformgesetzes
vom 17.12.08 (BGBl_I_08,2586)

 

bearbeitet und verlinkt (14)
von
H-G Schmolke

[ Änderungen-2009 ]     [ 2008 ]     [ 2007 ]




_1   SpruchG (F)
Anwendungsbereich

Dieses Gesetz ist anzuwenden auf das gerichtliche Verfahren für die Bestimmung

  1. des Ausgleichs für außenstehende Aktionäre und der Abfindung solcher Aktionäre bei Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträgen ( 304 und 305 des Aktiengesetzes);

  2. der Abfindung von ausgeschiedenen Aktionären bei der Eingliederung von Aktiengesellschaften ( 320b des Aktiengesetzes);

  3. der Barabfindung von Minderheitsaktionären, deren Aktien durch Beschluss der Hauptversammlung auf den Hauptaktionär übertragen worden sind ( 327a bis 327f des Aktiengesetzes);

  4. der Zuzahlung an Anteilsinhaber oder der Barabfindung von Anteilsinhabern anlässlich der Umwandlung von Rechtsträgern ( 15, 34, 122h, 122i, (1) 176 bis 181, 184, 186, 196 oder 212 des Umwandlungsgesetzes);

  5. der Zuzahlung an Anteilsinhaber oder der Barabfindung von Anteilsinhabern bei der Gründung oder Sitzverlegung einer SE ( 6, 7, 9, 11 und 12 des SE-Ausführungsgesetzes);

  6. der Zuzahlung an Mitglieder bei der Gründung einer Europäischen Genossenschaft ( 7 des SCE-Ausführungsgesetzes).



_2   SpruchG (F)
Zuständigkeit

(1) 1Zuständig ist das Landgericht, in dessen Bezirk der Rechtsträger, dessen Anteilsinhaber antragsberechtigt sind, seinen Sitz hat.
2Sind nach Satz 1 mehrere Landgerichte zuständig oder sind bei verschiedenen Landgerichten Spruchverfahren nach Satz 1 anhängig, die in einem sachlichen Zusammenhang stehen, so ist 2 Abs.1 des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (1) entsprechend anzuwenden.
3Besteht Streit oder Ungewissheit über das zuständige Gericht nach Satz 2, so ist 5 des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (2) entsprechend anzuwenden.

(2) (3) 1Der Vorsitzende einer Kammer für Handelssachen entscheidet

  1. über die Abgabe von Verfahren;

  2. im Zusammenhang mit öffentlichen Bekanntmachungen;

  3. über Fragen, welche die Zulässigkeit des Antrags betreffen;

  4. über alle vorbereitenden Maßnahmen für die Beweisaufnahme und in den Fällen des 7;

  5. in den Fällen des 6;

  6. über Geschäftswert, Kosten, Gebühren und Auslagen;

  7. über die einstweilige Einstellung der Zwangsvollstreckung;

  8. über die Verbindung von Verfahren.

2Im Einverständnis der Beteiligten kann der Vorsitzende auch im Übrigen an Stelle der Kammer entscheiden.

(4) 1...(4)



_3   SpruchG
Antragsberechtigung

1Antragsberechtigt für Verfahren nach 1 ist in den Fällen

  1. der Nummer 1 jeder außenstehende Aktionär;

  2. der Nummern 2 und 3 jeder ausgeschiedene Aktionär;

  3. der Nummer 4 jeder in den dort angeführten Vorschriften des Umwandlungsgesetzes bezeichnete Anteilsinhaber;

  4. der Nummer 5 jeder in den dort angeführten Vorschriften des SE-Ausführungsgesetzes bezeichnete Anteilsinhaber;

  5. der Nummer 6 jedes in der dort angeführten Vorschrift des SCE-Ausführungsgesetzes bezeichnete Mitglied.

2In den Fällen der Nummern 1, 3, 4 und 5 ist die Antragsberechtigung nur gegeben, wenn der Antragsteller zum Zeitpunkt der Antragstellung Anteilsinhaber ist.
3Die Stellung als Aktionär ist dem Gericht ausschließlich durch Urkunden nachzuweisen.



_4   SpruchG (F)
Antragsfrist und Antragsbegründung

(1) Der Antrag auf gerichtliche Entscheidung in einem Verfahren nach 1 kann nur binnen drei Monaten seit dem Tag gestellt werden, an dem in den Fällen

  1. der Nummer 1 die Eintragung des Bestehens oder einer unter 295 Abs.2 des Aktiengesetzes fallenden Änderung des Unternehmensvertrags im Handelsregister nach 10 des Handelsgesetzbuchs;

  2. der Nummer 2 die Eintragung der Eingliederung im Handelsregister nach 10 des Handelsgesetzbuchs;

  3. der Nummer 3 die Eintragung des Übertragungsbeschlusses im Handelsregister nach 10 des Handelsgesetzbuchs;

  4. (1) der in Nummer 4 genannten 15, 34, 176 bis 181, 184, 186, 196 und 212 des Umwandlungsgesetzes die Eintragung der Umwandlung im Handelsregister nach den Vorschriften des Umwandlungsgesetzes;

  5. (2) der in Nummer 4 genannten 122h und 122i des Umwandlungsgesetzes die Eintragung der grenzüberschreitenden Verschmelzung nach den Vorschriften des Staates, dessen Recht die übertragende oder neue Gesellschaft unterliegt;

  6. (3) der Nummer 5 die Eintragung der SE nach den Vorschriften des Sitzstaates;

  7. (3) der Nummer 6 die Eintragung der Europäischen Genossenschaft nach den Vorschriften des Sitzstaates

bekannt gemacht worden ist.
2Die Frist wird in den Fällen des 2 Abs.1 Satz 2 und 3 durch Einreichung bei jedem zunächst zuständigen Gericht gewahrt.

(2) 1Der Antragsteller muss den Antrag innerhalb der Frist nach Absatz 1 begründen.
2Die Antragsbegründung hat zu enthalten:

  1. die Bezeichnung des Antragsgegners;

  2. die Darlegung der Antragsberechtigung nach 3;

  3. Angaben zur Art der Strukturmaßnahme und der vom Gericht zu bestimmenden Kompensation nach 1;

  4. 1Konkrete Einwendungen gegen die Angemessenheit der Kompensation nach 1 oder gegebenenfalls gegen den als Grundlage für die Kompensation ermittelten Unternehmenswert, soweit hierzu Angaben in den in 7 Abs.3 genannten Unterlagen enthalten sind.
    2Macht der Antragsteller glaubhaft, dass er im Zeitpunkt der Antragstellung aus Gründen, die er nicht zu vertreten hat, über diese Unterlagen nicht verfügt, so kann auf Antrag die Frist zur Begründung angemessen verlängert werden, wenn er gleichzeitig Abschrifterteilung gemäß 7 Abs.3 verlangt.

3Aus der Antragsbegründung soll sich außerdem die Zahl der von dem Antragsteller gehaltenen Anteile ergeben.



_5   SpruchG
Antragsgegner

Der Antrag auf gerichtliche Entscheidung in einem Verfahren nach 1 ist in den Fällen

  1. der Nummer 1 gegen den anderen Vertragsteil des Unternehmensvertrags;

  2. der Nummer 2 gegen die Hauptgesellschaft;

  3. der Nummer 3 gegen den Hauptaktionär;

  4. der Nummer 4 gegen die übernehmenden oder neuen Rechtsträger oder gegen den Rechtsträger neuer Rechtsform;

  5. der Nummer 5 gegen die SE, aber im Fall des 9 des SE-Ausführungsgesetzes gegen die die Gründung anstrebende Gesellschaft;

  6. der Nummer 6 gegen die Europäische Genossenschaft zu richten.



_6   SpruchG
Gemeinsamer Vertreter

(1) 1aDas Gericht hat den Antragsberechtigten, die nicht selbst Antragsteller sind, zur Wahrung ihrer Rechte frühzeitig einen gemeinsamen Vertreter zu bestellen;
1bdieser hat die Stellung eines gesetzlichen Vertreters.
2Werden die Festsetzung des angemessenen Ausgleichs und die Festsetzung der angemessenen Abfindung beantragt, so hat es für jeden Antrag einen gemeinsamen Vertreter zu bestellen, wenn aufgrund der konkreten Umstände davon auszugehen ist, dass die Wahrung der Rechte aller betroffenen Antragsberechtigten durch einen einzigen gemeinsamen Vertreter nicht sichergestellt ist.
3Die Bestellung eines gemeinsamen Vertreters kann vollständig unterbleiben, wenn die Wahrung der Rechte der Antragsberechtigten auf andere Weise sichergestellt ist.
4Das Gericht hat die Bestellung des gemeinsamen Vertreters im elektronischen Bundesanzeiger bekannt zu machen.
5Wenn in den Fällen des 1 Nr.1 bis 3 die Satzung der Gesellschaft, deren außenstehende oder ausgeschiedene Aktionäre antragsberechtigt sind, oder in den Fällen des 1 Nr.4 der Gesellschaftsvertrag, der Partnerschaftsvertrag, die Satzung oder das Statut des übertragenden oder formwechselnden Rechtsträgers noch andere Blätter oder elektronische Informationsmedien für die öffentlichen Bekanntmachungen bestimmt hatte, so hat es die Bestellung auch dort bekannt zu machen.

(2) 1aDer gemeinsame Vertreter kann von dem Antragsgegner in entsprechender Anwendung des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes den Ersatz seiner Auslagen und eine Vergütung für seine Tätigkeit verlangen;
1bmehrere Antragsgegner haften als Gesamtschuldner.
2Die Auslagen und die Vergütung setzt das Gericht fest.
3Gegenstandswert ist der für die Gerichtsgebühren maßgebliche Geschäftswert.
4Das Gericht kann den Zahlungsverpflichteten auf Verlangen des Vertreters die Leistung von Vorschüssen aufgeben.
5Aus der Festsetzung findet die Zwangsvollstreckung nach der Zivilprozessordnung statt.

(3) 1Der gemeinsame Vertreter kann das Verfahren auch nach Rücknahme eines Antrags fortführen.
2Er steht in diesem Falle einem Antragsteller gleich.



_6a   SpruchG (F)
Gemeinsamer Vertreter bei Gründung einer SE

1Wird bei der Gründung einer SE durch Verschmelzung oder bei der Gründung einer Holding-SE nach dem Verfahren der Verordnung (EG) Nr. 2157/2001 des Rates vom 8.Oktober 2001 über das Statut der Europäischen Gesellschaft (SE) (ABl.EG Nr.L 294 S.1) gemäß den Vorschriften des SE-Ausführungsgesetzes ein Antrag auf Bestimmung einer Zuzahlung oder Barabfindung (1) gestellt, bestellt das Gericht auf Antrag eines oder mehrerer Anteilsinhaber einer sich verschmelzenden oder die Gründung einer SE anstrebenden Gesellschaft, die selbst nicht antragsberechtigt sind, zur Wahrung ihrer Interessen einen gemeinsamen Vertreter, der am Spruchverfahren beteiligt ist.
2 6 Abs.1 Satz 4 und Abs.2 gilt entsprechend.



_6b   SpruchG
Gemeinsamer Vertreter bei Gründung einer Europäischen Genossenschaft

1Wird bei der Gründung einer Europäischen Genossenschaft durch Verschmelzung nach dem Verfahren der Verordnung (EG) Nr.1435/2003 des Rates vom 22.Juli 2003 über das Statut der Europäischen Genossenschaft (SCE) (ABl.EU Nr.L 207 S.1) nach den Vorschriften des SCE-Ausführungsgesetzes ein Antrag auf Bestimmung einer baren Zuzahlung gestellt, bestellt das Gericht auf Antrag eines oder mehrerer Mitglieder einer sich verschmelzenden Genossenschaft, die selbst nicht antragsberechtigt sind, zur Wahrung ihrer Interessen einen gemeinsamen Vertreter, der am Spruchverfahren beteiligt ist.
2 6 Abs.1 Satz 4 und Abs.2 gilt entsprechend.



_6c   SpruchG (F)
Gemeinsamer Vertreter bei grenzüberschreitender Verschmelzung (1)

1Wird bei einer grenzüberschreitenden Verschmelzung ( 122a des Umwandlungsgesetzes) gemäß 122h oder 122i des Umwandlungsgesetzes ein Antrag auf Bestimmung einer Zuzahlung oder Barabfindung gestellt, bestellt das Gericht auf Antrag eines oder mehrerer Anteilsinhaber einer beteiligten Gesellschaft, die selbst nicht antragsberechtigt sind, zur Wahrung ihrer Interessen einen gemeinsamen Vertreter, der am Spruchverfahren beteiligt ist.
2 6 Abs.1 Satz 4 und Abs.2 gilt entsprechend.



_7   SpruchG (F)
Vorbereitung der mündlichen Verhandlung

(1) Das Gericht stellt dem Antragsgegner und dem gemeinsamen Vertreter die Anträge der Antragsteller unverzüglich zu.

(2) 1Das Gericht fordert den Antragsgegner zugleich zu einer schriftlichen Erwiderung auf.
2Darin hat der Antragsgegner insbesondere zur Höhe des Ausgleichs, der Zuzahlung oder der Barabfindung oder sonstigen Abfindung Stellung zu nehmen.
3Für die Stellungnahme setzt das Gericht eine Frist, die mindestens einen Monat beträgt und drei Monate nicht überschreiten soll.

(3) 1Außerdem hat der Antragsgegner den Bericht über den Unternehmensvertrag, den Eingliederungsbericht, den Bericht über die Übertragung der Aktien auf den Hauptaktionär oder den Umwandlungsbericht nach Zustellung der Anträge bei Gericht einzureichen.
2In den Fällen, in denen der Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag, die Eingliederung, die Übertragung der Aktien auf den Hauptaktionär oder die Umwandlung durch sachverständige Prüfer geprüft worden ist, ist auch der jeweilige Prüfungsbericht einzureichen.
3Auf Verlangen des Antragstellers oder des gemeinsamen Vertreters gibt das Gericht dem Antragsgegner auf, dem Antragsteller oder dem gemeinsamen Vertreter unverzüglich und kostenlos eine Abschrift der genannten Unterlagen zu erteilen.

(4) 1Die Stellungnahme nach Absatz 2 wird dem Antragsteller und dem gemeinsamen Vertreter zugeleitet.
2Sie haben Einwendungen gegen die Erwiderung und die in Absatz 3 genannten Unterlagen binnen einer vom Gericht gesetzten Frist, die mindestens einen Monat beträgt und drei Monate nicht überschreiten soll, schriftlich vorzubringen.

(5) 1Das Gericht kann weitere vorbereitende Maßnahmen erlassen.
2Es kann den Beteiligten die Ergänzung oder Erläuterung ihres schriftlichen Vorbringens sowie die Vorlage von Aufzeichnungen aufgeben, insbesondere eine Frist zur Erklärung über bestimmte klärungsbedürftige Punkte setzen.
3In jeder Lage des Verfahrens ist darauf hinzuwirken, dass sich die Beteiligten rechtzeitig und vollständig erklären.
4Die Beteiligten sind von jeder Anordnung zu benachrichtigen.

(6) Das Gericht kann bereits vor dem ersten Termin eine Beweisaufnahme durch Sachverständige zur Klärung von Vorfragen, insbesondere zu Art und Umfang einer folgenden Beweisaufnahme, für die Vorbereitung der mündlichen Verhandlung anordnen oder dazu eine schriftliche Stellungnahme des sachverständigen Prüfers einholen.

(7) 1Sonstige Unterlagen, die für die Entscheidung des Gerichts erheblich sind, hat der Antragsgegner auf Verlangen des Antragstellers oder des Vorsitzenden dem Gericht und gegebenenfalls einem vom Gericht bestellten Sachverständigen unverzüglich vorzulegen.
2Der Vorsitzende kann auf Antrag des Antragsgegners anordnen, dass solche Unterlagen den Antragstellern nicht zugänglich gemacht werden dürfen, wenn die Geheimhaltung aus wichtigen Gründen, insbesondere zur Wahrung von Fabrikations-, Betriebs- oder Geschäftsgeheimnissen, nach Abwägung mit den Interessen der Antragsteller, sich zu den Unterlagen äußern zu können, geboten ist.
3Gegen die Entscheidung des Vorsitzenden kann das Gericht angerufen werden; dessen Entscheidung ist nicht anfechtbar.

(8) (1) Für die Durchsetzung der Verpflichtung des Antragsgegners nach Absatz 3 und 7 ist 35 des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit entsprechend anzuwenden.



_8   SpruchG
Mündliche Verhandlung

(1) 1Das Gericht soll aufgrund mündlicher Verhandlung entscheiden.
2Sie soll so früh wie möglich stattfinden.

(2) 1In den Fällen des 7 Abs.3 Satz 2 soll das Gericht das persönliche Erscheinen der sachverständigen Prüfer anordnen, wenn nicht nach seiner freien Überzeugung deren Anhörung als sachverständige Zeugen zur Aufklärung des Sachverhalts entbehrlich erscheint.
2Den sachverständigen Prüfern sind mit der Ladung die Anträge der Antragsteller, die Erwiderung des Antragsgegners sowie das weitere schriftliche Vorbringen der Beteiligten mitzuteilen.
3In geeigneten Fällen kann das Gericht die mündliche oder schriftliche Beantwortung von einzelnen Fragen durch den sachverständigen Prüfer anordnen.

(3) Die 138 und 139 sowie für die Durchführung der mündlichen Verhandlung 279 Abs.2 und 3 und 283 der Zivilprozessordnung gelten entsprechend.



_9   SpruchG
Verfahrensförderungspflicht

(1) Jeder Beteiligte hat in der mündlichen Verhandlung und bei deren schriftlicher Vorbereitung seine Anträge sowie sein weiteres Vorbringen so zeitig vorzubringen, wie es nach der Verfahrenslage einer sorgfältigen und auf Förderung des Verfahrens bedachten Verfahrensführung entspricht.

(2) Vorbringen, auf das andere Beteiligte oder in den Fällen des 8 Abs.2 die in der mündlichen Verhandlung anwesenden sachverständigen Prüfer voraussichtlich ohne vorhergehende Erkundigung keine Erklärungen abgeben können, ist vor der mündlichen Verhandlung durch vorbereitenden Schriftsatz so zeitig mitzuteilen, dass die Genannten die erforderliche Erkundigung noch einziehen können.

(3) Rügen, welche die Zulässigkeit der Anträge betreffen, hat der Antragsgegner innerhalb der ihm nach 7 Abs.2 gesetzten Frist geltend zu machen.



_10   SpruchG (F)
Verletzung der Verfahrensförderungspflicht

(1) Stellungnahmen oder Einwendungen, die erst nach Ablauf einer hierfür gesetzten Frist ( 7 Abs.2 Satz 3, Abs.4) vorgebracht werden, sind nur zuzulassen, wenn nach der freien Überzeugung des Gerichts ihre Zulassung die Erledigung des Rechtsstreits nicht verzögern würde oder wenn der Beteiligte die Verspätung entschuldigt.

(2) Vorbringen, das entgegen 9 Abs.1 oder 2 nicht rechtzeitig erfolgt, kann zurückgewiesen werden, wenn die Zulassung nach der freien Überzeugung des Gerichts die Erledigung des Verfahrens verzögern würde und die Verspätung nicht entschuldigt wird.

(3) 26 des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (1) ist insoweit nicht anzuwenden.

(4) Verspätete Rügen, die die Zulässigkeit der Anträge betreffen und nicht von Amts wegen zu berücksichtigen sind, sind nur zuzulassen, wenn der Beteiligte die Verspätung genügend entschuldigt.



_11   SpruchG
Gerichtliche Entscheidung; Gütliche Einigung

(1) Das Gericht entscheidet durch einen mit Gründen versehenen Beschluss.

(2) 1Das Gericht soll in jeder Lage des Verfahrens auf eine gütliche Einigung bedacht sein.
2aKommt eine solche Einigung aller Beteiligten zustande, so ist hierüber eine Niederschrift aufzunehmen;
2bdie Vorschriften, die für die Niederschrift über einen Vergleich in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten gelten, sind entsprechend anzuwenden.
3Die Vollstreckung richtet sich nach den Vorschriften der Zivilprozessordnung.

(3) Das Gericht hat seine Entscheidung oder die Niederschrift über einen Vergleich den Beteiligten zuzustellen.

(4) 1Ein gerichtlicher Vergleich kann auch dadurch geschlossen werden, dass die Beteiligten einen schriftlichen Vergleichsvorschlag des Gerichts durch Schriftsatz gegenüber dem Gericht annehmen.
2Das Gericht stellt das Zustandekommen und den Inhalt eines nach Satz 1 geschlossenen Vergleichs durch Beschluss fest.
3 164 der Zivilprozessordnung gilt entsprechend.
4Der Beschluss ist den Beteiligten zuzustellen.



_12   SpruchG (F)
(1) Beschwerde

(1) 1Gegen die Entscheidung nach 11 findet die (1) Beschwerde statt.
2Die Beschwerde kann nur durch Einreichung einer von einem Rechtsanwalt unterzeichneten Beschwerdeschrift eingelegt werden.

(2) (2) 1Die Landesregierung kann die Entscheidung über die Beschwerde durch Rechtsverordnung für die Bezirke mehrerer Oberlandesgerichte einem der Oberlandesgerichte oder dem Obersten Landesgericht übertragen, wenn dies zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung dient.
2Die Landesregierung kann die Ermächtigung auf die Landesjustizverwaltung übertragen.



_13   SpruchG
Wirkung der Entscheidung

1Die Entscheidung wird erst mit der Rechtskraft wirksam.
2Sie wirkt für und gegen alle, einschließlich derjenigen Anteilsinhaber, die bereits gegen die ursprünglich angebotene Barabfindung oder sonstige Abfindung aus dem betroffenen Rechtsträger ausgeschieden sind.



_14   SpruchG
Bekanntmachung der Entscheidung

Die rechtskräftige Entscheidung in einem Verfahren nach 1 ist ohne Gründe nach Maßgabe des 6 Abs.1 Satz 4 und 5 in den Fällen

  1. der Nummer 1 durch den Vorstand der Gesellschaft, deren außenstehende Aktionäre antragsberechtigt waren;

  2. der Nummer 2 durch den Vorstand der Hauptgesellschaft;

  3. der Nummer 3 durch den Hauptaktionär der Gesellschaft;

  4. der Nummer 4 durch die gesetzlichen Vertreter jedes übernehmenden oder neuen Rechtsträgers oder des Rechtsträgers neuer Rechtsform;

  5. der Nummer 5 durch die gesetzlichen Vertreter der SE, aber im Fall des 9 des SE-Ausführungsgesetzes durch die gesetzlichen Vertreter der die Gründung anstrebenden Gesellschaft, und

  6. der Nummer 6 durch die gesetzlichen Vertreter der Europäischen Genossenschaft

bekannt zu machen.



_15   SpruchG (F)
Kosten

(1) 1Für die Gerichtskosten sind die Vorschriften der Kostenordnung anzuwenden, soweit nachfolgend nichts anderes bestimmt ist.
2aAls Geschäftswert ist der Betrag anzunehmen, der von allen in 3 genannten Antragsberechtigten nach der Entscheidung des Gerichts zusätzlich zu dem ursprünglich angebotenen Betrag insgesamt gefordert werden kann;
2ber beträgt mindestens 200.000 und höchstens 7,5 Millionen Euro.
3Maßgeblicher Zeitpunkt für die Bestimmung des Werts ist der Tag nach Ablauf der Antragsfrist ( 4 Abs.1).
4Der Geschäftswert ist von Amts wegen festzusetzen.
5Für das Verfahren des ersten Rechtszugs wird die volle Gebühr erhoben.
6aKommt es in der Hauptsache zu einer gerichtlichen Entscheidung, erhöht sich die Gebühr auf das Vierfache der vollen Gebühr;
6bdies gilt nicht, wenn lediglich ein Beschluss nach 11 Abs.4 Satz 2 ergeht.
7aFür das Verfahren über ein Rechtsmittel (1) wird die gleiche Gebühr erhoben;
7bdies gilt auch dann, wenn das Rechtsmittel (1) Erfolg hat.

(2) 1Schuldner der Gerichtskosten ist nur der Antragsgegner.
2aDiese Kosten können ganz oder zum Teil den Antragstellern auferlegt werden, wenn dies der Billigkeit entspricht;
2bdie Haftung des Antragsgegners für die Gerichtskosten bleibt hiervon unberührt.

(3) 1Der Antragsgegner hat einen zur Deckung der Auslagen hinreichenden Vorschuss zu zahlen.
2 8 der Kostenordnung ist nicht anzuwenden.

(4) Das Gericht ordnet an, dass die Kosten der Antragsteller, die zur zweckentsprechenden Erledigung der Angelegenheit notwendig waren, ganz oder zum Teil vom Antragsgegner zu erstatten sind, wenn dies unter Berücksichtigung des Ausgangs des Verfahrens der Billigkeit entspricht.



_16   SpruchG
Zuständigkeit bei Leistungsklage

Für Klagen auf Leistung des Ausgleichs, der Zuzahlung oder der Abfindung, die im Spruchverfahren bestimmt worden sind, ist das Gericht des ersten Rechtszuges und der gleiche Spruchkörper ausschließlich zuständig, der gemäß 2 mit dem Verfahren zuletzt inhaltlich befasst war.



_17   SpruchG (F)
Allgemeine Bestimmungen; Übergangsvorschrift

(1) Sofern in diesem Gesetz nichts anderes bestimmt ist, finden auf das Verfahren die Vorschriften des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (1) Anwendung.

(2) 1Für Verfahren, in denen ein Antrag auf gerichtliche Entscheidung vor dem 1.September 2003 gestellt worden ist, sind weiter die entsprechenden bis zu diesem Tag geltenden Vorschriften des Aktiengesetzes und des Umwandlungsgesetzes anzuwenden.
2Auf Beschwerdeverfahren, in denen die Beschwerde nach dem 1. September 2003 eingelegt wird, sind die Vorschriften dieses Gesetzes anzuwenden.




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